Jammer nicht – lächle!

Wenn ich mit meiner Mutter (83) in der Stadt unterwegs bin passiert es uns immer wieder, dass uns wildfremde Menschen anlächeln. Oft genug ist uns das schon aufgefallen und wir haben uns gefragt, warum das so ist. Die Antwort ist so einfach wie verblüffend: weil wir lächelnd durchs Leben gehen. 

Wenn Du mit einem Lächeln durchs Leben und auf die Menschen zugehst, kommen die Menschen auch mit einem Lächeln auf Dich zu. Und soll ich Dir etwas verraten: Es ist ein fantastisches Gefühl überall einem Lächeln zu begegnen.

Du gehörst zu den Menschen denen das Lächeln vergangen ist? Das ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Und Du solltest alles daran setzen Dir Dein Lächeln zurückzuholen. Das Leben ist damit viel leichter. Du weißt nicht wie? Mach es wie Barney Stinson, der in einer Folge der Serie ‚How I met your mother‘ dazu sagte: „Wann immer ich traurig bin, höre ich einfach auf, traurig zu sein, und fühle mich stattdessen einfach super.“

Du glaubst, so einfach ist das nicht? Ich sage Dir: Doch, genau so einfach ist das!

Es ist eine Frage unseres Denkens und unserer Fokussierung. Natürlich ist es schwer fröhlich zu sein, wenn man ständig an Sorgen und Probleme denkt. Vielleicht haben wir verlernt zufrieden zu sein. Vielleicht haben wir verlernt unser Leben positiv zu betrachten. In einer Welt in der es immer besser, höher, weiter sein muss, ist es schwierig den eigenen Standpunkt, die eigene Lebenssituation, als vollkommen ausreichend für den nächsten Schritt zu verstehen.

Wenn wir am Fuße einer Treppe mit 500 Stufen stehen, erscheint es uns fast unmöglich bis nach oben zu kommen. Wir denken bei jeder Stufe „nur noch 499, nur noch 498, nur noch 497… wer weiß ob sich das überhaupt lohnt“ und wundern uns, dass wir nach zwanzig Stufen immer noch 480 Stufen vor uns haben. Warum denken wir nicht positiv? „20 Stufen hab ich schon geschafft, die nächsten 20 schaffe ich auch. Und ganz oben erwartet mich zur Belohnung ein atemberaubender Ausblick.

Wir konzentrieren uns auf das Negative und erwarten etwas Positives. Das ist paradox und kann nicht funktionieren. Wenn wir bei jedem Schritt ächzen und jammern, werden wir dermaßen in unserer negativen Sichtweise oben ankommen, dass es selbstverständlich nicht lohnend gewesen sein kann hier heraufzukraxeln. Wir können, so negativ eingestellt, die Schönheiten rundherum gar nicht mehr wahrnehmen.

Albert Schweitzer hat einmal gesagt: „Die größte Entscheidung Deines Lebens liegt darin, dass Du Dein Leben ändern kannst, indem Du Deine Geisteshaltung änderst.“ Wir sollten aufhören uns auf Probleme zu konzentrieren. Was wir brauchen sind Lösungen. Was wir brauchen ist ein Leben, das positive Momente beinhaltet. Was wir brauchen ist ein guter Gedanke, ein fröhliches Lied, ein freundliches Lächeln.

Meine Mutter und ich, wir sind keine besonderen Menschen. Aber wir haben gelernt zu lächeln. Wir haben gelernt, das Leben nicht von der Problemseite zu betrachten, sondern von den schönen Dingen her. Und ich kann versprechen, das macht Vieles sehr viel einfacher. Natürlich haben auch wir unsere Probleme. Aber es kommt darauf an, wie man darauf reagiert.

Ich bin fast 61 Jahre alt, lebe zur Zeit von Hartz4 und werde mit meiner Rente in die Altersarmut rutschen. Rosige Zukunftsaussichten, oder? Jetzt kann ich mich in die Ecke setzen und warten was passiert, über meine besch…eidene Zukunft nachdenken und als missmutiger, griesgrämiger und alter Esel eines Tages sterben.

Ich kann aber auch genauso gut, oder sogar noch besser, das Lächeln üben. Ich kann mich an den Menschen erfreuen, die mir mit einem Lächeln begegnen. Ich kann spielende und lachende Kinder beobachten und erkennen, dass das Leben schön sein kann. Und ich kann verstehen, dass es kein Problem gibt, dass verhindern kann, dass ich glücklich bin – wenn ICH es nicht zulasse.

Kann man das lernen? Ja, das kannst Du lernen. Hol Dir Dein Lächeln zurück!

Vermutlich wirst Du es mir nicht gleich glauben, aber lächle mal. Jetzt beim Lesen. Ja, genau jetzt! Auch wenn es am Anfang noch so verkniffen kommt, es löst in Deinem Körper das Glückshormon Dopamin aus. Die Bewegung Deiner Gesichtsmuskulatur beim Lächeln sorgt dafür. Dein Gehirn kann gar nicht anders als das so zu steuern. Vielleicht wirst Du jetzt nicht gleich jubelnd durch die Wohnung, das Büro oder wo immer Du Dich gerade aufhältst, springen, aber verhindern kannst Du es nicht, dass Dein Körper sich mit der Zeit besser anfühlt.

In einem amerikanischen Supermarkt hängt an der Tür zwischen Aufenthaltsraum und Laden ein großer Spiegel. Darüber steht geschrieben: „So sehen Dich Deine Kunden!“ Die Mitarbeiter sollen sich an dieser Stelle kurz bewusst werden, welche Ausstrahlung sie ihren Kunden gegenüber gerade haben. Dieser Spiegel hat dazu geführt, dass sich die Mitarbeiter in dem Laden wesentlich wohler fühlen als vorher. Und auch die Kunden haben in einer Umfrage geäußert, dass sie das Gefühl haben, es hat sich in dem Laden etwas positiv verändert und sie kauften nun noch viel lieber hier ein.

Mach Dir dieses Wissen zunutze. Lerne wieder zu lächeln. Gerade, wenn Dich wieder etwas runter ziehen möchte, wenn ein Problem unlösbar erscheint, wenn Du vor Ärger platzen möchtest  –  gerade dann stell Dich vor einen Spiegel oder vor eine Schaufensterscheibe und lächle. Je öfter Du das machst, desto leichter wird es Dir fallen auch ohne Spiegel im richtigen Moment zu lächeln.

Du wirst merken, wieviele Menschen um Dich herum plötzlich lächeln und Du wirst erleben, dass Probleme nicht verhindern können, glücklich zu sein. Also:

Jammer nicht – lächle!

Dein

Hans-Peter Weyer

 

 

 

Abgezockt

 

Martin war schon seit Wochen auffällig ruhig, was eigentlich gar nicht seine Art war. Seine Mutter wußte, dass irgendetwas nicht stimmte, aber sie konnte keinen Ton aus ihrem Sohn herausbringen. In ihrer Not wandte sie sich an mich und bat um Unterstützung. Und auch mir fiel es anfangs nicht leicht Martin`s Vertrauen zu gewinnen. Als er dann erzählte fiel seine Mutter aus allen Wolken.

Ein fröhlicher immer lachender und aufgeweckter Junge, so kannten ihn alle. Doch seit ein paar Wochen war Martin immer verschlossener geworden. Seiner Mutter fiel das zuerst auf. Sie versuchte mit ihm zu reden und fragte was passiert sei, doch Martin antwortete immer mit gespielter Fröhlichkeit „alles in Ordnung“.

Auch mit seinen Freunden ging er kaum noch raus zum Spielen. Er hockte in seinem Zimmer und beschäftigte sich mit Computerspielen oder fernsehen. Seine Mutter hatte Angst, dass er spielsüchtig werden könnte, doch andererseits spielte er auch nicht die ganze Zeit.

Als der Klassenlehrer sich bei der Mutter meldete und fragte ob es zuhause Schwierigkeiten geben würde und ob er vielleicht helfen könnte, wußte die Mutter, dass eine Grenze überschritten worden war. Es war dringend Hilfe von aussen nötig, wenn schon den Lehrern auffiel, dass etwas nicht stimmte. Doch auch diese konnten nur einen leichten Rückgang seiner schulischen Leistungen und seine zurückhaltende Art feststellen, aber keinen Grund dafür herausfinden.

Die Mutter kam mit ihrem Sohn in meine Beratung und erzählte mir von ihren Sorgen. Bei diesem Termin kauerte Martin in sich zusammengesunken auf dem Stuhl und lauschte eher beiläufig den Ausführungen seiner Mutter. Auf meine Frage, ob er mir erzählen würde, was los sei, antwortete er nur „nichts is los“. Seine Körpersprache aber erzählte Bände vom Gegenteil.

Wie der Lehrer, fragte auch ich zunächst die Mutter nach möglichen Problemen in der Familie, aber da konnte nichts gefunden werden. So blieben eigentlich nur die Bereiche Schule oder Freizeit – oder beides – als Ursache für das scheue Verhalten Martin`s. Doch Martin erzählte nichts.

Ich entschloss mich das nächste Gespräch bei Martin zuhause zu führen. Vielleicht konnte der sichere Raum der elterlichen Wohnung helfen ihn ein wenig zu öffnen. Dazu holte ich ihn an einem Tag von der Schule ab und begleitete ihn nach hause. Mir fiel dabei auf, dass er die ganze Zeit von einer Gruppe Jungen beobachtet wurde und, wenn sie meinten ich bekäme das nicht mit, sie ihm gegenüber Drohgebärden zeigten. Das brachte mich auf eine Vermutung.

In der elterlichen Wohnung erwartete uns die Mutter und wir saßen zunächst alle gemeinsam im Gespräch im Wohnzimmer. Ich bat Martin dann, mir einmal sein Zimmer zu zeigen. Dem kam er gern nach und zeigte stolz seine persönlichen Dinge an denen er sehr hing. Im Gegensatz zum Schulweg wirkte Martin dabei erheblich gelöster und offener. Mitten hinein in die schöne Zeit fragte ich ihn unvermittelt, wie lange er denn schon von der Jungengruppe bedroht würde. Martin stockte abrupt, wurde bleich vor Schreck und sackte auf dem Bett zusammen. Seine Mutter, die uns begleitet hatte, wußte zwar nicht wovon ich sprach, doch sie merkte ebenso sicher wie ich, dass ich mit der Frage voll ins Schwarze getroffen hatte.

Unter Tränen erzählte Martin dann, dass die Jungen ihn schon seit einigen Wochen zwangen sein Taschengeld an sie abzugeben. Da er von seiner Mutter jeden Tag etwas Geld bekam, damit er sich etwas zu essen kaufen konnte, wenn Pause war oder nach der Schule, hatten die Jungen leichtes Spiel jeden Tag Geld von ihm zu fordern. Für den Fall, dass er jemandem davon erzählen würde, hatten sie ihm Prügel angedroht und dass sie ihn ins Krankenhaus befördern würden. Aus Angst vor den Jungen, die an der Schule als gewalttätig bekannt seien, hatte er Niemandem von den täglichen Angriffen und Pöbeleien erzählt. Auch einige andere Schüler sind wohl betroffen, vermutete Martin.


Leider gibt es solche Übergriffe immer wieder. Ich kann nur allen Eltern raten, achten Sie auf Auffälligkeiten bei Ihren Kindern und reagieren Sie, wie es Martin`s Mutter tat, indem Sie sich aussenstehende Hilfe holen. Und prägen Sie Ihren Kindern rechtzeitig ein, dass sie nie allein sind, wenn so etwas geschehen sollte.

Für den Fall, dass es bereits Übergriffe gegeben hat, rate ich Ihnen, was ich auch Martin und seiner Mutter geraten habe:

Sofort zur Polizei und Anzeige gegen die Täter erstatten. Wenn die Möglichkeit besteht, auch auf andere Kinder hinweisen, denen es vielleicht genauso ergeht. Ausserdem zur Schulleitung und auch dort die Vorfälle zur Sprache bringen. Und keine Angst vor Racheakten! Kinder und Jugendliche, die in dieser Form als Täter polizeilich aktenkundig sind, werden auch vom Jugendamt beobachtet. Und hier kann bei erneuter Bedrohung sofort eingeschritten werden. Sehr oft fallen auch die Eltern dieser Sprößlinge aus allen Wolken und beobachten ihre Kinder genauer. Auch sie wissen, dass sie mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn sich solche Vorfälle wiederholen.

Ich will es nicht verheimlichen: Es bleibt immer ein kleines Restrisiko. Doch die Erfahrung (und die polizeiliche Statistik) zeigt, dass es in 95% aller Fälle keine Racheakte gibt, da die Konsequenzen den Tätern hinreichend erläutert werden. Und noch etwas: Die rechtzeitige Anzeige, verhindert vermutlich Schlimmeres.


Martin geht inzwischen wieder gern zu Schule und ist wieder fröhlich und aufgeweckt. Aus dem Stubenhocker ist wieder ein munterer Junge geworden, der gern mit seinen Freunden unterwegs ist. Ein Teil der Tätergruppe musste inzwischen auch die Schule verlassen…

 

 

 

 

 

Mobbing in der Flüchtlingsarbeit – bis zur Entlassung

 

Als Marion telefonisch den Termin zum Coaching erbat, war sie schon ziemlich fertig. Und die psychische Belastung, die ihr zu schaffen machte, war ihr im Termin deutlich anzusehen. Immer wieder unterbrach ein Schluchzen ihre Erzählung. Ihre Arbeit in der Flüchtlingsunterkunft war vorbei.

Sie hatte sich angestrengt, hatte sich über die eigentlichen Aufgaben hinaus engagiert und war mit den Flüchtlingen bestens ausgekommen. Teilweise waren kleinere Freundschaften entstanden und manch ein Abschied fiel bei Verlegung der Flüchtlinge schwer. Wenn es einmal zu kleineren Streitereien kam, war sie es die in ihrer einfühlsamen Art die Gemüter beruhigte und für Frieden sorgte. Und die Streitereien gab es nicht nur unter den Flüchtlingen. Auch zu den Mitarbeitern gehörten manche Aufrührer, die nicht mit den Situationen klar kamen und andere verantwortlich machten für Kleinigkeiten.

Eigentlich hatte sie mehr mit Bürotätigkeiten zu tun und mit Delegation von Aufgaben, aber ihr waren die Flüchtlinge und ein reibungsloser Ablauf in der Unterkunft wichtig und so war sie immer wieder vor Ort und griff in die tägliche Arbeit helfend ein.

Einigen Mitarbeitern gefiel ihr offensives Engagement offenbar nicht und so wurden ihr von Anfang an Steine in den Weg gelegt. Bei Bestellungen wurde manipuliert und falsche oder gar doppelte Bestellungen ihr in die Schuhe geschoben. Absprachen wurden nicht eingehalten oder gar nicht erst getroffen und ihr die Schuld für daraus resultierende Folgen angelastet. Sogar persönliche Kontakte zu Flüchtlingen wurden gegen sie ausgelegt.

Als Marion mit der Geschichte zu mir kam, hatte sie bereits die Kündigung erhalten. Die ihr angelasteten Unstimmigkeiten waren zwar aus der Luft gegriffen, aber ihre Vorgesetzten hörten auf die anderen Mitarbeiter. Helfende und entlastende Aussagen von Flüchtlingen wurden ignoriert.

Aufgrund der schon verfahrenen Situation konnte ich ihr nur raten einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufzusuchen und über eine Kündigungsschutzklage nachzudenken. Nach einem dreistündigen Gespräch und Aufarbeitung von quälenden Fragen ging Marion wesentlich ruhiger und entspannter wieder nach Hause. Sie wollte zum Anwalt gehen und die Coaching-Gespräche nach Bedarf und Absprache fortsetzen.


Sicher ist diese Geschichte in den Flüchtlingsunterkünften nicht die Regel, aber auch ebenso sicher ist sie kein Einzelfall. Da wo Menschen mit einer Situation konfrontiert sind, in der sie einerseits menschlich überfordert und andererseits fachlich nicht ausreichend geschult sind, können zwischenmenschliche Reibereien und Antipathien schnell zu solchen Mobbingsituationen führen.

Gerade in den Flüchtlingsunterkünften ist eine psychologische Betreuung auch der haupt- und ehrenamtlichen Helfer daher zwingend notwendig – aber leider keine Praxis. Es darf nicht vergessen werden, dass die Mitarbeiter neben ihrer ganz persönlichen Lebenssituation vielfältigen psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Vielen geht das persönliche Schicksal der Flüchtlinge nicht aus dem Kopf und belastet bis in die Familien hinein auch das Privatleben. Angst vor Anschlägen auf Unterkünfte oder Einzelpersonen und die Befürchtung selbst hinein zu geraten, lassen viele Helfer nicht ruhig schlafen. Alltäglicher Stress aus der beruflichen Anforderung heraus und die Angst den ohnehin befristeten Job viel zu früh wieder zu verlieren, lassen hauptamtliche Helfer oft unfreundlicher und aggressiver auftreten als sie eigentlich wollen. Ehrenamtliche Helfer, die möglichst intensiv helfen wollen bringen, sicher meist unbeabsichtigt, Abläufe durcheinander, die notwendig sind für das reibungslose Tagesgeschäft. All das führt zu Reibereien und zu Spannungen in der täglichen Arbeit.

Da wo Wohlfahrtsverbände und soziale Träger federführend die Flüchtlingsunterkünfte betreiben, ist zu verlangen, dass alle Helfer auch psychologisch betreut werden. Dafür muss Geld zur Vefügung stehen, damit wir nicht nach der Eingliederung der Flüchtlinge, haupt- und ehrenamtlich helfende Menschen in Depressionen und mit psychologischen Traumata zurücklassen. Die Gefahr dazu ist groß.

Flüchtlingshilfe – der Krieg erreicht die Helfer!

Es ist eine fast unvollstellbare Anzahl ehrenamtlicher Helfer, die in ganz Deutschland die Flüchtlinge betreuen, die bei uns Schutz, Ruhe und Frieden suchen. Und während die betreuten Menschen langsam die Antrengungen der beschwerlichen Flucht überwinden können und zur Ruhe kommen, geraten die Helfer an den Rand Ihrer persönlichen Möglichkeiten. Auf dieser Seite des Prozesses kann von Ruhe, Frieden oder Gelassenheit kaum noch die Rede sein, hier ist der Krieg jetzt angekommen.

 

Es ist großartig, was die Menschen im Ehrenamt leisten und wieviel Zeit, Kraft und Engagement sie in diese Aufgabe stecken. Teilweise sind sie täglich auf den Beinen um die hauptamtlichen Kräfte in den Flüchtlingsheimen zu entlasten. Sie helfen bei der Essensausgabe, betreuen Kinder, waschen oder verteilen Kleidung und sind emsig damit beschäftigt, den Menschen in allen Belangen zu helfen und ihnen das Ankommen erträglich zu machen. Immer wieder hören sie sich die schrecklichen Geschichten an, die die Flüchtlinge aus Ihrer Heimat oder von ihrem langen Weg mitgebracht haben. Und nach „Dienstschluss“ geht es nach Hause in dem Wissen wieder ein paar Menschen geholfen zu haben.

Viele der Helfer kommen langsam an ihre persönlichen, geistigen und körperlichen Grenzen.

Es ist nicht der Normalfall. Es ist eine Ausnahmesituation. Es ist anstrengend. Es ist aufreibend. Und jeder könnte jetzt mal wieder eine Pause brauchen. Aber wer sich wirklich engagiert, möchte nicht aufhören und die geflohenen Menschen oder die anderen Helfer allein lassen. Es entsteht ein moralischer Druck – den sich jeder selbst auferlegt.

Doch: Pausen gehören dazu! Auszeiten! Zeiten in denen man abschalten, an etwas ganz anderes denken oder  sich bestenfalls mit anderen austauschen kann. Das Erlebte erzählen, von der Seele reden und mit anderen teilen. Die Gefühle (mit-)teilen, die so manches Erlebnis und so manche Erzählung hervorgebracht hat. Loswerden bevor es sich aufstaut und zur Last wird.

Allen ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingshilfe in Duisburg und Umgebung biete ich ab sofort die Möglichkeit für solche kostenlosen Entlastungs-Gespräche!

Ab sofort stehe ich jeden Donnerstag von 15.00 bis 18.00 Uhr allen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe zu Gesprächen kostenlos zur Verfügung. In der angegebenen Zeit können wir uns als Gruppe zusammensetzen und gemeinsam aufarbeiten, was Ihnen auf der Seele brennt.

Dabei geht es um Ihre persönliche Situation in dieser Arbeit! Fangen Sie an über die Belastungen zu reden, die Sie bisher vielleicht verdrängt haben. Reden Sie über die persönliche Kraft, die Ihnen möglicherweise angesichts der vielen Schicksale langsam abhanden kommt. Belasten Sie sich nicht mit aufgestauten Emotionen, sondern teilen Sie sie mit anderen, die Ihre Situation kennen. Tauschen Sie sich über Erfahrungen, Möglichkeiten und Tendenzen aus.

Wir treffen uns im Cafe So-Fa, Goebenstrasse 94, 47169 Duisburg und auf Wunsch wird das Cafe auch einmal für die Gruppe geschlossen, um ungestört zu sein.

Auch Einzel-Coachings, deren Notwendigkeit sich aus dieser Gruppenarbeit ergeben sollte, bleiben kostenlos!

Falls Sie zur angegebenen Zeit nicht an einer solchen Gruppe teilnehmen können, aber grundsätzlich daran Interesse haben, so senden Sie mir bitte eine Email (s. Impressum) mit dem Zeitvorschlag, der Ihnen besser passen würde. Sollten mehrere Mails mit ähnlichen Vorschlägen eingehen, kann eventuell noch eine weitere Gruppe entstehen. Darüber würde ich Sie dann per Email informieren und das auch hier bekannt geben.